2003 erfolgte der Verkauf des einstigen Kernbereichs Preussag Energie.
Dabei wurden die Aktivitäten in Deutschland und der Großteil der Erdgasproduktion an
Gaz de France verkauft. Eine Bewertung dieses Verkaufs ist im nach hinein fast
unmöglich, da die in den Pressemitteilungen genannten Daten nicht für eine vernünftige
Beurteilung ausreichen.

Der Verkaufspreis von ca. 1,1 Milliarden Euro, der damit beim mehr als 3,5-fachen des
letzten Jahresumsatzes liegt, legt die Vermutung nahe dass es sich hierbei
möglicherweise um ein gutes Geschäft gehandelt hat.
Soweit der Verkauf der Inlandsaktivitäten.

Sehr auffällig ist allerdings der Verkauf der Auslandsaktivitäten an den österreichischen
Mineralölkonzern OMV. Für einen Kaufpreis von rund 300 Millionen Euro wurde
annähernd ein Umsatz von vermutlich 200-280 Millionen Euro verkauft.

Dabei ist zu beachten, dass die Preussag Energie Umsatzrenditen von bis zu 40%
erwirtschaftet hat (Geschäftsbericht 2001, Segmentberichtserstattung). Zu beachten ist,
dass diese Umsatzrenditen 2005 noch einmal deutlich höher gelegen haben dürften,
vermutlich über 50%.

Selbst wenn man unterstellt, dass die Auslandsaktivitäten weniger profitabel gewesen
wären: hätte man eine Rendite von 30% nach Steuern angesetzt, so wäre man zu dem
Ergebnis gekommen, dass ein Nettogewinn von mindestens 60 Millionen Euro für nur 300
Millionen Euro verkauft wurde.

Das ist ein Preis, der mindestens 50% unter dem für die Aktionäre vertretbaren liegt.

Zu den Durchschnittspreisen (28$ pro Barrel Öl) von 2003 waren die sicheren und
wahrscheinlichen Ölreserven von 172 Millionen boe der Preussag Energie
Auslandstochter in etwa 5 Milliarden Dollar wert.
Zu den Preisen von 2005 ergibt sich ein Wert von ca. 10 Milliarden Dollar.
Zur Erinnerung: Der Verkaufspreis betrug 300 Millionen Euro.

In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung des OMV Aktienkurses sicherlich von
Interesse. Natürlich kann man nicht sagen, dass diese beeindruckende Entwicklung
ausschließlich auf den geschickten Kauf der Preussag Energie zurückzuführen ist.
Das Management von OMV hat schließlich noch einige interessante Zukäufe, wie die
Beteiligung an Petrom, getätigt.

Sicher ist aber, dass der Kauf von Teilen der Preussag Energie bei OMV Shareholder
Value
in nicht geringem Umfang generiert hat, der uns TUI Aktionären entgangen ist.
Und hier liegt das Verschulden unseres Managements.

Die Entwicklung von OMV im Vergleich zum Wettbewerb

 

Der obige Chart zeigt die Entwicklung des OMV Aktienkurses im Vergleich zu dem
Branchenprimus Exxon Mobil (XOM) und dem Oil&Gas Index (XOI), der aus einer Vielzahl von Ölkonzernen besteht.

Auffällig ist vor allem die deutliche Outperformance von OMV ab der Zeit, in der der Kauf
von Preussag Energie Auswirkungen auf das Ergebnis zeigte (ab ca. 2004).
Für die gesamte Sparte Preussag Energie wurden 1,4 Milliarden Euro erlöst.
2005 hätte diese Sparte (ohne die Deutag Gruppe) einen Umsatz von mindestens 1
Milliarde Euro generiert.

Unterstellt man nur eine leichte Steigerung der Umsatzredite auf ein Niveau von 45% und
eine Steuerquote von 35%, so würde die Sparte einen Gewinn nach Steuern von ca. 290
Millionen Euro erzielen.

Nach Marktpreisen (KGV von 10) hätte man für die Preussag Energie Ende 2005 somit
leicht über 3 Milliarden Euro erlösen können, wobei natürlich auch ein Börsengang eine
praktikable Lösung gewesen wäre.

Mit Salzgitter und Preussag Energie hätten damit schon allein 2 ehemalige
Tochterunternehmen einen Marktwert von mehr als 6,7 Milliarden Euro – 70% mehr als
unser gesamtes Unternehmen an der Börse nach der Kapitalerhöhung nun wert ist.
Das Ergebnis der Portfoliopolitik von Michael Frenzel ist eindeutig unterm Strich weder
eine Schaffung von Shareholder noch Stakeholder Value.