Zuerst will ich Ihr Augenmerk aber auf den eigentlichen Kauf von CP Ships lenken.

 

Auszug aus dem SEC Filing zum 9-Monatsbericht von CP Ships

 

Diese Grafik stellt einen verkürzten Auszug aus dem 9-Monatsbericht dar, den CP Ships zwecks seiner Börsennotierung in den USA an die US Wertpapieraufsicht SEC liefern musste.


Der Link zum vollständigen Bericht ist in der Sektion "Download" verfügbar.

CP Ships hatte offenbar vom Rekordjahr 2005 profitiert und wies einen Gewinn von 1.14$ pro Aktie zum Stichtag aus.

Eine Prognose für das Gesamtjahr ist relativ schwer. Aber nimmt man die Tatsache, dass sich die Frachtraten im 3.ten Quartal schon unter Druck befanden, zur Kenntnis, so erscheint es nicht überzogen niedrig wenn wir einen Gewinn von 1.50$-1.60$ pro Aktie ansetzen.


Sie erinnern sich vielleicht an den Eingangsartikel?

TUI hat für CP Ships rund 21.50$ bezahlt.


Legt man diese Tatsachen zu Grunde, so kommt man zu dem Schluss, dass TUI den 13 bis 14-fachen Jahresgewinn des Jahres 2005 für CP Ships bezahlt hat.


Komparativ gesehen entspricht das glatt dem Doppelten des zyklisch gesehen hohen Kaufpreises für P&O.

TUI hat in Spitzenzeiten für ein Unternehmen mit Spitzengewinnen eine Bewertung bezahlt, die schon auf die durchschnittlichen Gewinne abseits des Zyklus bezogen, absurd hoch erscheint.


Sicher kann man für TUI das Argument anführen, dass CP Ships weniger profitabel gemessen am Umsatz als P&O ist.

Daher lassen sie uns eine weitere Seite der Akquisition beleuchten.


Was hat TUI für die bezahlten 1,7 Milliarden Euro bekommen?


Die folgende Grafik liefert einen Überblick. Sie ist ebenfalls ein Auszug aus dem letzten verfügbaren Quartalsbericht.



Die Bilanz von CP Ships in den ersten neun Monaten 2005 laut dem SEC Filing 9M 2005

 

Kennen Sie sich nicht mit Bilanzen aus, so werden Sie in den folgenden Tagen Links mit hilfreichen Erklärungen finden.


Es sei aber soviel gesagt, als dass eine Bilanz die Mittelherkunft (Passiva) und die Mittelverwendung (Aktiva) übersichtlich darstellt.


Die Bilanz von CP Ships sagt uns, dass bei einem Eigenkapital von rund 1.45 Mrd. $ auf der Aktivseite ein Posten mit den Namen „Goodwill“ in Höhe von rund 600 Millionen Dollar steht.


Goodwill ist nichts gutes, wie der Name möglicherweise schließen lässt. Es handelt sich vielmehr um aktivierte Synergieeffekte. Beispiele werden Sie bald unter der Sektion „Wissenswertes“ finden.


Im schlimmsten Fall, also wenn sich die Containerschifffahrt in einer schweren Krise befindet, aus welchen Gründen auch immer, muss dieser Posten auf Werthaltigkeit geprüft werden und kann für komplett wertlos befunden werden.


Es stellt sich ohnehin die Frage, wie man einen derart hohen Posten an Goodwill für ein Schifffahrtsunternehmen rechtfertigen will, schließlich beträgt der Anteil des Goodwills am Eigenkapital mehr als 40%.


Für eine vernünftige Wertbeurteilung von CP Ships gebietet es zumindest die Vorsicht, den Posten Goodwill um 50% niedriger, also bei etwa 300 Millionen Dollar anzusetzen.

 

Das Eigenkapital verringert sich dementsprechend auf ca. 1.15 Mrd.$.


Ein Kaufpreis von 2.05 Mrd. $ impliziert also, dass TUI den 1.78-fachen bereinigten Buchwert für CP Ships bezahlt hat.

Selbst wenn man das Eigenkapital nicht bereinigt und die Werthaltigkeit des Goodwills akzeptiert, so kommt man auf den 1.4-fachen Buchwert, den TUI bezahlt hat.


Sehr interessant, dass sich die Ansicht durchgesetzt hat, für Schiffe fast den doppelten Wert zu bezahlen.



Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt einen Alternativkandidaten beleuchten. Rufen Sie zu diesen Zeitpunkt wieder diesen Artikel auf, und sie werden endgültig davon überzeugt sein, dass TUI für CP Ships mindestens 50% zu viel bezahlt hat.


Abschließend sei eine kleine Zusammenfassung gegeben, in der eine Auflistung der bisher genannten Fakten in kompakter Form vorliegt.