An dieser Stelle würde ich gerne die Defizite auflisten die ich dem TUI-Vorstand vorwerfe.

Ferner werde ich ein Zukunftskonzept für den Konzern skizzieren.


Die Details meines Konzeptes werde ich in meiner Rede auf der Hauptversammlung bekannt geben und einige Tage nach dieser hier verfügbar machen.


Die Vorwürfe seien wie folgt aufgezählt:


  • Stark pro-zyklisches Agieren führt zu unvorteilhaften Entscheidungen für die Aktionäre

  • Dieses Verhalten in der Vergangenheit hat einen Konzern hinterlassen, der im Prinzip kein echtes eigenes Vermögen mehr besitzt und somit sehr anfällig für Krisen ist

  • Das Festhalten an dem integrierten Tourismuskonzept, eines Konzerns, der alle Stufen der Wertschöpfungskette bedient, ist im Zeitalter der „Bausteinreise“ überholt. Das Internet, das an verschiedenen Stellen als Umsatzbringer für TUI gefeiert wird könnte letztendlich unser Unternehmen überflüssig werden lassen

  • Überholt, weil Kapazitätsauslastung der eigenen Fluglinien kein Argument darstellt. Den Aktionären wird die Information vorenthalten, wie profitabel die TUI-Fluglinien wirklich sind, und ob diese konkurrenzfähig agieren können

  • Das Engagement unseres Konzerns im Bereich der Fluglinien ist vielmehr nicht länger hinnehmbar. Solange nicht der Beweis vom Vorstand angetreten wird, dass unser Unternehmen in diesem äußert wettbewerbsintensiven Markt unter Berücksichtigung der getroffenen Investitionen profitabel arbeitet und die Kapitalkosten nachhaltig verdient, stellt ein Engagement hier vielmehr ein Geldgrab dar

  • Die Bezüge des Vorstandsvorsitzenden liegen weit über dem Durchschnitt für Vorstände von DAX Konzernen. Vielmehr ist es nicht hinnehmbar, dass Herr Frenzel mit 3,46 Millionen Euro in diesem Jahr mehr verdient als der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Dr. Kleinfeld, mit 3,27 Millionen Euro. Ebenso ist nicht einzusehen, warum die Vergütung von Herrn Frenzel gegenüber 2004 auch noch angestiegen ist, obwohl sich der Aktienkurs im Jahre 2005 äußerst schwach entwickelt hat.

  • Zwischen dem Bereich Tourismus und Containerschifffahrt sind keine tief gehenden Synergien erkennbar. Die Aufteilung des Konzerns ist die einzige logische Konsequenz dessen.


Sicherlich stellt ein Zukunftskonzept von meiner Seite nur einen Versuch dar. Ich will mir nicht vorwerfen lassen, ausschließlich Kritik zu äußern.

Ein wirklich umfassendes Konzept könnte selbstverständlich auch erst dann erstellt werden, wenn ich Zugang zu detaillierten internen Zahlen unseres Unternehmens hätte.

Aufgrund meiner bisherigen Zahlen schlage ich aber folgendes vor:


  1. Einen Börsengang von Hapag Lloyd. Dies würde folgendermaßen ablaufen

    - 50% werden in Rahmen eines Spin-Offs an die Aktionäre der TUI AG abgegeben

    - 20% stellen eine Kapitalerhöhung dar, die der Hapag Lloyd Mittel zum

    nachhaltigen Wachstum in der Containerschifffahrt liefern

    - 30% werden von der TUI AG an den Kapitalmarkt abgegeben. Davon in etwa ein

    kleiner Teil zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung, der Rest zügig danach

  2. Ein rechtlicher Zusammenschluss aller Fluglinien der TUI AG in ein Unternehmen

    - Dadurch würden einige Einzelmarken wie Hapagfly nach Prüfung weiter bestehen

    und eine rechtliche Tochtergesellschaft erzeugt, die im nächsten Schritt mit einem

    Konkurrenten fusioniert wird

    - Um die Zahlungsfähigkeit des eigentlichen Kernstücks, der TUI AG zu erhalten

    wird im nächsten Schritt ein Teil der Konzernverbindlichkeiten auf diese Sparte

    übertragen

  3. Die Fusion der Flugsparte von TUI mit einem Wettbewerber, vorzugsweise Air Berlin, oder die DBA Gruppe um Rudolf Wöhrl

    - Nach der Fusion sollte unser Unternehmen immer noch Mehrheitseigentümer der

    neuen, fusionierten Gruppe sein.

    - Die Anteile des neuen Aviation-Konzerns werden bis auf eine

    Minderheitsbeteiligung von ca. 20-25% an die Aktionäre der TUI AG abgegeben

  4. Desinvestition im Bereich Vertrieb:

    - Hier werden Kennzahlen für einzelne Reisebüros ermittelt und alternative

    Optionen geprüft

  5. Umstellung der leistungsbezogenen Pensionspläne auf beitragsorientierte Pensionspläne

    - Leistungsbezogene Pensionspläne stellen ein Risiko für den Konzern in Zeiten

    fallender Wertpapierpreise dar, da der Konzern für Unterdeckungen in den

    Pensionsplänen aufkommen muss

    - Hier muss vor allem eine Einigung mit der Belegschaft im Vereinigten Königreich

    erfolgen, und das Management einem externen Träger übertragen werden

  6. Werbekampagne/Ausbau im Bereich Internet:

    - Die Marke TUI wird weiter als Reiseveranstalter genutzt. Die Tätigkeit bleibt im

    Grunde die gleiche, nur dass die Flexibilität und die Preisgestaltung deutlich

    zunehmen dürften. Fallende Preise für Komplettreisen sollten wiederum die

    Nachfrage und somit das eigene Umsatzwachstum beflügeln

    - Konkurrenten wie Expedia.de oder das in Europa Fuß fassende Travelzoo.com

    sollte mit einem eigenen Portal entgegengetreten werden

  7. Massive Verstärkung der Services am Urlaubsort

    - Markteintritt in Bereiche in denen besonders hohe Margen erzielbar sind

    - Beispiele: Tauchschulen, Sky-Diving, Ausflugsreisen

    - Der Aufbau sollte dort mit einem lokalen Partner unter dem Label der TUI AG

    erfolgen, somit kann man den Wert der Marke TUI nutzen

  8. Die Hotelbeteiligungen sind auf Profitabilität, Auslastung und Entwicklungsmöglichkeiten zu prüfen

  9. Das Engagement bei der Groupe Nouvelles Frontières ist näher zu prüfen.

    Eine Trennung sollte bei fortgesetzten negativem Ergebnisbeitrages zum nächst möglichen Zeitpunkt erfolgen.


Alle Punkte führen zu einem deutlich schlankeren, effizienterem und zukunftsfähigeren Unternehmen.

Ich möchte mich nur noch an dieser Stelle davon distanzieren, dass ich aus dem Stand eine Lösung für zehntausende Mitarbeiter und Aktionäre vor formulieren könnte.

Dazu bräuchte ich ein Mandat und vor allem weitere Daten.

Aber ich denke, es ist klar geworden, dass Lösungen existieren und eine Neuorientierung möglich und notwendig ist.


Ich bitte hier noch eine aktuelle Studie von Mercer zu beachten, die meine Argumente stützt.


Bitte beachten Sie, dass ich, obwohl durchaus Ansätze einer Neuorientierung von der aktuellen TUI-Führung vorhanden sind, nicht denke, dass ein weiteres Bestehen unseres Unternehmens mit dem aktuellen Vorstand der TUI möglich ist.