Die Strategie des TUI Vorstandes – oder: existiert überhaupt eine?


Will ein Unternehmen nachhaltig Werte schaffen und sowohl der Gesellschaft, als auch seinen Aktionären nützen, so ist eine sinnvolle Strategie oft unerlässlich.

 

Existiert die vom Vorstand so beharrlich verfolgte Strategie der Preussag/TUI wirklich?

Oder ist sie nur Ausdruck einer Führung ohne Orientierung, eines Wunschdenkens, das zu Lasten der Aktionäre geht?

 

Im Mai 2000 bezeichnete Michael Frenzel auf der Preussag Hauptversammlung den Kaufpreis von ca. 4.7 Milliarden Mark, den der deutsche Konkurrent C&N für den britischen Branchenprimus Thomson Travel breit war zu zahlen, als „problematisch“. Preussag werde einer Aussage nach „keine überzogene Preise bezahlen“, die sich „kaum über die Erträge finanzieren lassen“.

 

4 Wochen später schockiert Michael Frenzel den Kapitalmarkt mit der Ankündigung, für Thomson Travel 180 Pence pro Aktie, gesamt rund 6 Milliarden Mark zu bezahlen.

 

Anfang 2004 überraschte der TUI Vorstand mit der Ankündigung, einen Börsengang der Hapag Lloyd vorzubereiten. Dieser Plan war offenbar Teil der Anstrengung die Nettoverschuldung von einst 6,9 Milliarden im Jahre 2000 auf unter 2 Milliarden Ende 2005 zurückzuführen. Hapag Lloyd selbst drängte zu dem Zeitpunkt auf einen „schnellen Börsengang“.

 

Im September 2004 gibt Michael Frenzel bekannt, dass der Börsengang Geschichte ist, und Hapag Lloyd auf Dauer im Konzern verbleiben soll. August 2005 wird zudem ein Übernahmeangebot für den Kanadischen Carrier CP Ships bekannt gegeben.

 

Dies treibt die Verschuldung zum Bilanzstichtag 2005 – trotz einer Kapitalerhöhung von ca. 1 Milliarde Euro – wieder auf rund 4 Milliarden Euro.

 

Es stellt sich die Frage in wie weit eine Sparte, die man 2004 noch ganz verkauft hätte zu einer neuen „Ertragssäule“ erhebt. Offenbar muss man die Aussichten 2004 doch komplett anders eingeschätzt haben als 2005.

Auch das Ziel, CP Ships, war früher mit keiner Silbe erwähnt worden. Erst als die französische Reederei CMA-CGM ernste Pläne erkennen ließ, CP Ships übernehmen zu wollen, platzte die nächste Bombe aus Hannover.

Man hat 21,50$ für jede der über 94 Millionen CP Ships Anteile geboten.

 

Dies bewertet das Unternehmen mit mehr als 2 Milliarden Dollar. Rekordpreis.

Rekordpreis vor allem nach verschiedenen Bewertungskriterien, dazu aber später mehr.

 

Man „investiert“ also mehr als 1,65 Milliarden Euro in eine Sparte die man vor einem Jahr nicht mehr wollte?

 

Man vergrößert den ohnehin dramatisch hohen Posten Goodwill (Firmenwerte) in der Bilanz, ohne die langfristigen Risiken zu bedenken?

 

Man treibt den Schuldenstand in einer Boomphase der Weltwirtschaft hoch, obwohl gerade die extrem zyklische Schifffahrt und die krisenempfindliche Touristik in einer Abschwungphase keine sicheren Mittelzuflüsse garantieren können?

 

Man führt eine Kapitalerhöhung in einer Zeit durch, in der der Börsenkurs neue Tiefstände erreicht hat und nimmt so eine starke Verwässerung der Gewinnanteile der Altaktionäre in Kauf?


Bewerten Sie diese Strategie selbst!


Mit den folgenden Dokumenten werde ich Ihnen nicht nur einen Überblick über das bisher gewesene geben, ich werde mich auch mit der aktuellen finanziellen Situation der TUI beschäftigen und einige mögliche Zukunftsszenarien skizzieren.


Für Anregungen und Kritik bin ich jederzeit offen und freue mich auf Ihre Nachricht. Sie können dabei das Kontaktformular oder das Gästebuch auf meiner Website benützen.


München, 20. April 2006


Michael Hohenester